Wir haben die Wanderung zum Poilon mit dem Besuch des Mittwochmarkts in Assomada verbunden.
Das Markttreiben und der Trubel verleihen dem sonst trägen Städtchen im Innern Santiagos an Markttagen (Mittwoch und Samstag) ein besonderes Flair. Ich war ja schon vom Sucupira beeindruckt, aber das Leben hier stellt alles in den Schatten. Der Andrang von Käufern und Verkäufern ist enorm. Mehr als Worte sollen hier die Bilder für sich sprechen.
Nach dem Einkauf (natürlich Ziegenkäse, Brot, Tomaten und Bananen) sind wir zum Poilon aufgebrochen.
Schon von Weitem ist er sichtbar, der riesige Baum, der da fest verwurzelt im Tal steht. Vorbei am Waschplatz, dem Kommunikationszentrum überhaupt gelangen wir zum Poilon. Ruhe, Kraft und Würde strahlt er aus. Seine Äste sind breit ausgestreckt nach allen Seiten mit unendlich vielen grünen Blättern. Mächtige Wurzeln halten ihn tief verankert in der Erde, er steht ganz fest, unbeugsam. Seine Rinde ist warm, rissig, braun, seine Blätter rascheln im Wind, fast ist es so, als ob sie mit dem Wind singen. Die Krone des Baumes ist wie ein riesiges Gewölbe über uns, ein wenig blau schimmert durch die Äste, Eisvögel machen mit lautem Geschrei auf sich aufmerksam. Bunt schillernd schwingen sie sich durch die Äste. Fast wirkt er wie ein riesiger Zauberbaum, voller Wünsche, Gedanken und Erinnerungen an vergangene Zeiten. Was er wohl alles erlebt hat in den Jahren der Kolonialherrschaft. Haben sich entflohene Sklaven von ihm Mut und Kraft geholt? Spendet er Trost und Hoffnung auf ein besseres Leben? Gibt er Vertrauen, dass es immer weiter geht und immer wieder trotz Trockenheit zum Leben reicht? Wer weiss, die Antwort kann vielleicht auch nur der verstehen, der hier heimisch ist.
Für die Schulkindern, die uns bald umringen, war allerdings interessanter rauszufinden, ob wir nicht doch vielleicht in irgendwelchen Untiefen des Rucksackes Bonbons versteckt hätten. Als klar war, dass da nichts zu holen ist, bleiben sie noch kurze Zeit, Namen und Alter werden ausgetauscht, eine kleine Unterhaltung über die Schule geführt und dann sind wir wieder allein mit dem Baum.